Archiv für Juli, 2010
Zwar gibt es auch noch schönere Panoramen in der unmittelbaren Umgebung. Doch dies war vom Balkon des Hotels aus. Unmittelbar, ohne Retusche, mit einem Himmel, der seinesgleichen sucht.
Im vorigen Beitrag erwähnte ich in den Kommentaren, dass offensichtlich nur Deppen die richtige Sprache sprechen, um vom mehrheitlich aus Deppen bestehenden Volk gewählt zu werden.
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In Österreich soll jetzt das Budget verfassungswidrig erst nach dem Abhalten der Wiener Landtagswahl abgehalten werden. Es ist mir scheißegal, was da für Ausreden vorgehalten werden. „Die Situation ist so schwierig!“
Wenn demokratisch gewählte Regierungsvertreter sich derart über die Verfassung hinweg setzen, dürfen sie sich auch nicht beschweren, wenn auch die Kärntner Landesregierung Sprüche des obersten Gerichtshof ignoriert.
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Für mich bedeutet es, dass Kanzler und Vizekanzler gleichermaßen an Vertrauen verlieren und als unfähige Parteiapparatschniks bezeichnet werden wollen.
Schon traurig!
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Was machen die dann, wenn’s wirklich ernst wird?
Salve (hohe), Söll, Schindlhaus.
2 Stunden Spaziergang am Berg, 3 Stunden Essen im Lokal. Dann noch eine Rezension geschrieben, weil ich ganz verwundert war, dass das Lokal noch gar nicht auf meiner Lieblings-Gourmetseite vermerkt war.
Ein Feeling des Accomplishments, was den heutigen Tag angeht.
Plus echtes Urlaubsttagsgefühl.
So passt das!
(Bild wird nachgereicht)
Bekannt durch „den kategorischen Imperativ“, der wohl besser „kantegorischer Imperativ“ heißen sollte.
Wikipedia gibt gleich mehrere Gebiete an, in denen der Begriff besetzt ist. (Es gibt sogar in der Mathematik eine Kategorientheorie, von der ich noch nie gehört habe, obwohl sie eigentlich für die Informatik von Bedeutung sein soll.)
Aber was bedeutet Kategorie im täglichen Gebrauch der Sprache? Ein Synonym für Schublade?
Das gehört in eine andere Kategorie = das gehört in eine andere Schublade.
Ist es das schon?
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Wäre es nicht überhaupt einfacher, wenn wir nur mehr die Vokabel Bahnhof, Schublade und Seil* verwendeten?
*) Siehe noemix‚ Bericht über das Bremsseil
Eine Ente schwimmt friedlich im Hechtsee,*)
Der Barsch hinter ihr, der kennt sie.
Und er beißt ganz forsch
sie jetzt fest in den Orsch.
Noch lange derjenige brennt sie.
Bild wird bei Gelegenheit nachgereicht. Gemeinschaftsproduktion
*) Der Hechtsee heißt so auf tirolerisch. Man kann ihn auch Hennt-Sea aussprechen:)
In Wien wüsste ich, was ich heute gehört habe. Beim Eröffnungskonzert der Tiroler Festspiele in Erl gab es zwei – ich glaube – Uraufführungen von einem – ich glaube – österreichischen Komponisten.* Ich habe kein Programm gekauft und jetzt festgestellt, dass in sämtlichen Programmankündigungen im Internet nur das Hauptwerk steht, für das ich kein Programm brauche. Die Siebente Bruckner erkenne ich auch ohne Programm, den Dirigenten erkenne ich auch ohne Programm.
Die Redner der eröffnenden Reden erkenne ich auch ohne Programm, auf den Tiroler Landeshauptmann könnte ich verzichten. Leider hat auch Gustav Kuhn nicht das gemacht, was er schon einmal gemacht hat: die Reden eines Politikers im Nachhinein lächerlich gemacht. Er ist auch schon ein bisschen angepasst. Verstehe ich.
Der Bruckner war dann ein Ding für sich. Gut, das junge Orchester kann sich nicht mit den Philharmonikern vergleichen und Bruckner scheint ihnen schwerer als Wagner zu fallen. Ich bilde mir ein, falsche Einsätze und Fehler gehört zu haben, die ich in der Form sonst nicht in Erl erlebt habe. Doch Kuhn war ein Phänomen. Denn er schaffte es, -selbst wenn meine Beanstandungen zutreffen – eine Musik zu leben, die durch eine ungeheure Intensität bewegte.
Die Siebente wird von Bruckner-Liebhabern oft als die beliebteste bezeichnet. Sie ist ja auch sehr beeindruckend und eingängig. Sie zeichnet sich aber auch durch eine Besonderheit im 2. Satz aus:
Dazu eine Seitenformation:
Als Bruckner gerade den C-Dur Höhepunkt komponiert hatte, traf in Wien die Nachricht vom Tode Richard Wagners aus Venedig ein. Bruckner selbst erzählt davon seinem Mitstreiter Theodor Helm: „Sehen Sie, genau so weit war ich gekommen, als die Depesche aus Venedig am Morgen des 14. Februar 1883 im Konservatorium eintraf – da hab ich geweint, o wie geweint – und dann erst schrieb ich dem Meister die eigentliche Trauermusik“
In der Coda mit der Trauermusik wird in den Wagner-Tuben das „Non confundar-Motiv“ aufgegriffen und niedergeschrieben unter dem unmittelbaren Eindruck der Todesnachricht. Der Satz schließt mit dem Hauptthema. .
Die bewusste Stelle konnte man fast als unheimlich in der heutigen Aufführung empfinden. Man befand sich unmittelbar neben dem Grab. Ich hätte am liebsten geweint, was nicht so gut kommt, wenn man in der ersten Reihe sitzt.
Beim darauffolgenden Scherzo hatte ich dann den Eindruck, als hätte Bruckner seinen eigenen Walkürenritt geschrieben.
Dass der auch bei Bruckner sehr fetzig klingt, kann man sich am nachfolgenden Beispiel vor Ohren führen.
*) Die Uraufführungen stammten von Kurt Estermann, Stiftsorganist in Wilten und Professor am Mozarteum Salzburg. Er komponierte für die Eröffnung zwei Orchesterstücke.
Wie gesagt, haben mir sehr gut gefallen.
blunzenwurst
Dieser Ausdruck ist ja bekanntlich von Niederösterreich nach Frankfurt gewandert.
Es gibt aber den eigenartigen Fall wo die Blunzen selbst nicht blunzenwurst ist.
So beobachtet in Kufstein heute abends.
Die Blaue Quelle ist Tirols größte Trinkwasserquelle.
Im gleichnamigen Restaurant kann man recht fein speisen und heute stand auf der Speisekarte „gebratene Blutwurst auf Krautsalat.“ (Blutwurst = Blunze)
Gleichzeitig stand im Konzertprogramm Bruckner. Bruckners Lieblingsgericht war Schweinsbraten mit Knödel und Kraut. Um mich daher auf Bruckner einzustimmen musste ich den Krautsalat essen, Die Blunzen gesellte sich wie von selbst dazu und hat köstlich gemundet.
Das Konzert wird in Kufstein 3 erwähnt.
„Ein echter Wiener ist nur der, dessen Eltern aus den Kronkolonien eingewandert sind.“ Später musste dieser Satz auf Großeltern erweitert werden.
Da bin ich voll inkludiert, obwohl ich ja eh kein Wiener sondern ein Linzer bin. Zwei Großeltern kamen aus Wagstadt (Mähren), zwei aus Troppau (Böhmen).
Mein Ururgroßvater war ein Bierbrauer in Prag. Das finde ich auch ziemlich gut.
Der Anlass für diese Betrachtungen, die nicht neu sind, liegt im heutigen Radioprogramm begründet.
Nikolaus Harnoncourt dirigiert Smetanas „Ma Vlast“ (Mein Vaterland), von dem die meisten ja nur den zweiten Teil, „die Moldau“, kennen.
Nicht nur dass Smetanas „Die verkaufte Braut“ zu unseren fünf Haus- und Hofopern zuhause zählten, lange war sie meine absolute Lieblingsoper.
Genauso begeistert war ich nach anfänglichem Zögern von Janaceks „Im Nebel“. Das sind vier Klavierstücke über seine Jugend in Verbindung mit seiner Heimat. Es war mühsam, dieselben zu erarbeiten. Doch selbst heute setze ich mich manchmal spontan damit ans Klavier.
Wenn ich Heimat empfinde, dann geschieht es über den Transport der Musik.
Und natürlich ist dann Schubert und Mahler ebenfalls „heimatlich“ belegt.
Dreißig Speichen umgeben eine Nabe:
In ihrem Nichts besteht des Wagens Werk.
Man höhlet Ton und bildet ihn zu Töpfen:
In ihrem Nichts besteht der Töpfe Werk.
Man gräbt Türen und Fenster, damit die Kammer werde:
In ihrem Nichts besteht der Kammer Werk.
Darum: Was ist, dient zum Besitz.
Was nicht ist, dient zum Werk.
gewidmet einem Liebhaber des Nichts, dem Dr. Schein
[Ohne Quellenangabe], damit ich nicht gefragt werde, wer das ist, von wem das ist. Aber einige werden es ja wohl kennen.
Ich interessiere mich nicht besonders stark für Fussball. Eher mehr für die Aufmerksamkeit, die er in den Medien genießt. In den letzten Tagen konnte man nicht umhin, die Schlagzeilen in den meisten Zeitungen – zumindest im Sportteil – zur Kenntnis zu nehmen.
Und da geht es nicht nur um Bild oder Kronenzeitung, nein auch in der Presse und im Standard waren die Aussagen von Maradona zu lesen. „Deutschland möge die Koffer packen“, „Schweinsteiger sei zu nervös“, „bittere Revanche for die letzte Begegnung“, „Gegen die Galaaufstellung haben die Deutschen keine Chance“.
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Yeah, suck it to them! Das ist die richtige Antwort auf solche Sprüche. Und wenn solch ein Topteam nicht einmal ein Tor schießen kann, ja nicht einmal der teuerste Spieler auf der Welt in das Tor hineintrifft, dann freut es mich tierisch, den Gesichtsausdruck von Maradona zu sehen.
Ja, nichts gegen die Mannschaft der Argentinier. Die hat gekämpft und manchmal auch Klasse aufblitzen lassen. Dass sie bei der deutschen Abwehr, – das erste Mal, dass mir eine Abwehr gefallen hat – abgemeldet war, ist halt einerseits der Erfolg der deutschen Strategie oder auch Taktik, andererseits ist es aber auch ein Zeichen, dass ein guter Fussballspieler nicht automatisch ein guter Trainer sein muss und schon gar nicht ein guter Stratege.
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Endlich ist er zurechtgestutzt.
Und wenn ich denke, wie viele Anhänger er hat, dann sind das halt die Leute, die immer wieder so leicht vergessen. *
[von http://www.bz-berlin.de/archiv vom 21.4.2004]
Buenos Aires – Argentinien ist erleichtert. Ihr Nationalheld Diego Maradona, 43, liegt zwar immer noch auf der Intensivstation der Privatklinik „Clinica Suiza Argentina“, kann aber nach Angaben seiner Ex-Frau wieder alleine atmen. Im ärztlichen Bulletin ist dagegen noch von künstlicher Beatmung die Rede. Der Zustand hat sich nach dem Herzinfarkt stabilisiert, die Antibiotika wirken. Der Schock aber: Offenbar war beim erneuten Kollaps des Weltmeisters von 1986 wieder Rauschgift im Spiel. Die staatliche argentinische Nachrichtenagentur „Telam“ meldete, dass in Maradonas Urin Reste von Kokain gefunden wurden. Der Kokaingehalt sei so hoch, dass er nur bei einem an regelmäßigen Drogenkonsum gewöhnten Körper äußerlich unbemerkt geblieben sein könne.
Maradonas Leibarzt Dr. Alfredo Cahe versichert weiter: „Es hat gar nichts damit zu tun. In letzter Zeit hat er kein Kokain konsumiert.“
Der stark übergewichtige Weltmeister von 1986 war in den letzten Jahren immer wieder durch Drogen-Exzesse aufgefallen, kam gerade erst von einer langen Entziehungskur auf Kuba. Trotzdem verehren ihn die Argentinier wie keinen anderen.
Dutzende Fans umlagern noch immer die Klinik, die von der Polizei hermetisch abgeriegelt wird. Sportminister Roberto Perfumo und Staatspräsident Nestor Kirchner schickten Genesungswünsche: „Ich hoffe, dass er sich schnell erholt. Wie allen Argentiniern, so verursacht dies auch mir Schmerzen. Wir müssen ihm beistehen. Er ist eine großartige Person.“
Wie ernst es um „Dieguito“ stand, wurde durch ein Mitglied des Priester-Notdienstes bekannt. Er hatte dem Nationalhelden schon die „letzte Ölung“ gegeben.
*) Die einzige Person, der ich Kokainkonsum nachsehe, ist Konstantin Wecker. Der hat aber später auch selbst gesagt, dass man die Finger davon lassen sollte.
